NACHTUNDSTÜRME
WERDENLICHT

Liebe Gäste,

das diesjährige Festival Alte Musik Knechtsteden öffnet in Konzerten und Vermittlungsprojekten neue Blickrichtungen auf Beethoven und fragt, was dessen Musik einzigartig macht: Der ist vielleicht irgendwann glücklich, taub zu sein. Als Gehörloser wird er in seinem Inneren hellhörig und kann frei von Ablenkungen aus den erlernten musikalischen Gedächtnisinhalten bewegende Klangbilder vom menschlichen Dasein schaffen. Im Eröffnungsprogramm, dann im Pasticcio vom 22.9. und im letzten Konzert zeigen wir, was für Musik die Lehrer und Vorbilder Beethovens komponieren, womit sie ihn fördern und motivieren und was er selbst komponiert.

Ein weiterer Programmteil befasst sich mit Leidenschaft in Musik und Gesellschaft. Die Prager Frauen-Schola Tiburtina (24.9.) erinnert an Jungfrauen und Märtyrerinnen, die für Ihre Überzeugungen grausame Torturen erleiden. Diesen makabren Geschichten vergleichbar ist ein Besuch im Londoner Bethlehem-Hospital des 17. Jahrhunderts, wo die britische High-Society bei Tee und Gebäck das Irrenhaus-Panoptikum psychischen Leidens zu Gesicht bekommt. Purcell und seine Zeitgenossen fassen das absurde Treiben in ihren Mad Songs in Töne (20.9.).

Im Programm Rheinische Musiksalons sind wir in den Salons des 19. Jahrhunderts, in denen leidenschaftlich musiziert und vollmundig über Literatur, Tagespolitik und Klatsch geredet wird. Die Liebe ist immer eine Art Wahnsinn, schreibt Heinrich Heine. Brahms setzt jenem Wahn in seinen Liebeslieder-Walzern ein Denkmal im Dreivierteltakt. Das Klavier ist zu dieser Zeit ein Lieblingsinstrument, weil sich auf ihm alles darstellen lässt – ganze Sinfonien und Opern fernab von Metropolen im eigenen Salon. (23.9.)

Lärmende Lustbarkeiten schenkt die Follia, ein feuriger Tanz aus Portugal. Im 16. Jahrhundert tritt das berühmte Bass-Motiv seinen Siegeszug in Europa an. Corelli, Vivaldi, Händel, Telemann – niemand kommt an ihm vorbei. Immer verrückter werden die Variationen und versetzen das Publikum in Ekstase. Das gelingt am 19.9. sicher auch Dorothee Oberlinger!

Mit alten Schätzen aus musikalischen Bibliotheks-Archiven machen auch in diesem Jahr wieder junge Musikerinnen und Musiker mit ihren Talenten unbekannte Musik – auch zu Beethoven und seinem Umfeld – erfrischend lebendig.

Herzlich lade ich Sie zu den Veranstaltungen und Einführungsgesprächen mit wissenswerten bis humorvollen Geschichtchen ein und bin bis dahin mit besten Grüßen

Ihr
Hermann Max

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